Wir - 
Zwei Astern;
Spitze, zarte Scherben;
Antilopen, die am Wasser
Sterben. 

 

*     *     *

In Pappzimmern keimen zwei Evas.
Ihr Nachbar – ein leicht transparenter
Franzose verleiht ihnen etwas 
Magenta.

Sie streichen die Decke besonders
Verwerflich, um Tiefe zu schöpfen
Und kochen dann Auren des Sommers
in Töpfen.

Und wenn ihre Nachbarn gespalten
Sind, ob ihre Stimmen verebbten, 
Begreifen sie, dass die Gestalten
nie lebten.

                                                                    

*      *      *

Du musst dich ein wenig ordnen, 
Sonst kommt der wandernde Wind. 
Er trägt dich tief in den Norden, 
wo die Monde sind. 

Am Besten, atmest du langsam
Mehrere Lichtjahre ein. 
Sie sind deiner Seele Balsam,
deinem Herzen Wein. 

Und wenn du nach Hause willst, dann
Suchst du den zwölfthöchsten Turm, 
Ordnest den inneren Fristplan, 
wartest auf den Sturm. 

 

*      *      *

Gestern war der letzte Tag
Meiner jungen Morgenröte. 
Wenn ich das Verlangen töte, 
Rauchen deine grauen Schlöte
Bis zum letzten Stundenschlag. 

Dann ist alles Schnee im Wind – 
Eilt und legt sich niemals nieder, 
Frei vom Glücksgefühl luzider
Träume, die nur immer wieder
Ein Erwachen für mich sind.

 

Antibes

Eilend nieselt durch die Straßen, 
Wie ein Postmann, warmer Regen.
Säuselt Melodien nach, 
Die die Menschen längst vergaßen
In der sonnenhaften Gegend, 
Malt auf dem Verandadach.

Ruhe glättet graue Strähnen, 
Lässt die Augen langsam altern.
Spitze Streifen streiten schrill, 
Lassen sich vom Wind verwehen, 
Wie ein Kleks vom Federhalter, 
Der noch was erleben will.

 

*      *      *

Deine Augen rollen nach hinten. 
Sie sind anders, als alles dies:
Drückende Hyazinthen, 
Nebel im Paradies. 

Und die weißen Flächen verfremden
Meine seltsame Erdgestalt:
Früher zu schön zum Enden, 
Plötzlich erstaunlich alt.

 

Ich
War Licht. 
Vom Sein erfunden, 
Hab ich Endnis überwunden.
...Nicht?

Liza Wandermaler © Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 2021.